Umgefallenes Getreide – wie man die Feuchtigkeit der Körner kontrolliert und wann sie nachgetrocknet werden sollten
Die Getreideernte ist ein kritischer Moment in der Landwirtschaftssaison, und das Wetter in dieser Zeit kann gnadenlos sein. Umgefallene Bestände stellen eines der größeren Probleme dar, mit denen Landwirte konfrontiert sind – nicht nur hinsichtlich der Ernteschwierigkeiten, sondern vor allem in Bezug auf die Qualität und Feuchtigkeit der Körner. Warum ist die Kontrolle der Feuchtigkeit in einem solchen Fall entscheidend? Wann reicht Belüftung aus und wann muss eine Trocknungsanlage eingesetzt werden? Darauf gehen wir im Folgenden ein.

Umgefallenes Getreide – die Feuchtigkeit lauert am Boden
Getreide, das umgefallen ist, hat eine eingeschränkte Belüftung und steht in deutlich stärkerem Kontakt mit feuchtem Boden. Infolgedessen reifen die Körner in solchen Beständen oft ungleichmäßig und enthalten deutlich mehr Wasser als solche, die aufrecht stehen. Zudem begünstigt die Bodennähe die Entwicklung von Pilzkrankheiten und erhöht das Risiko, dass die Körner im Ährchen keimen.
Die Feuchtigkeit der Körner aus einem umgefallenen Bestand kann sogar über 18 % liegen. Dies ist ein Grenzwert, der über das weitere Vorgehen mit dem Getreide entscheidet.
Wie kontrolliert man die Kornfeuchtigkeit?
Die beste Praxis ist die regelmäßige Überwachung der Kornfeuchtigkeit bereits während der Ernte – entweder mit einem Feuchtigkeitsmessgerät oder durch Probenuntersuchungen im Sammelpunkt. Besondere Vorsicht ist bei der Ernte nach starken Regenfällen geboten. Nasses Material kann auf den ersten Blick trocken erscheinen, insbesondere wenn die Außenschicht von der Sonne getrocknet wurde, während das Innere des Korns noch feucht bleibt.
Es ist wichtig zu beachten, dass erhöhte Feuchtigkeit nicht nur ein logistisches Problem darstellt, sondern auch ein echtes Risiko für die Kornqualität ist – zu langes Lagern von feuchtem Getreide fördert Schimmel- und Pilzbildung und verschlechtert die Qualitätsparameter erheblich, insbesondere bei Speisegetreide.
Belüftung oder Trocknungsanlage?
• Bis 18 % Feuchtigkeit – in den meisten Fällen reicht eine intensive Belüftung des Korns aus, idealerweise mit Gebläsen in speziellen Silos oder Haufen. Voraussetzung für eine effektive Belüftung ist jedoch trockene, kühle Luft und eine schnelle Reaktion nach der Ernte.
• Über 18 % Feuchtigkeit – in diesem Fall sind Kompromisse nicht mehr angebracht. Das Getreide muss unverzüglich zur Trocknungsanlage transportiert werden. Der Trocknungsprozess sollte bei etwa 85 °C erfolgen, und nach Erreichen des geeigneten Feuchtigkeitsniveaus muss das Korn vor der weiteren Lagerung abgekühlt werden.

Gefahren bei zu feuchtem Korn
Getreide mit erhöhter Feuchtigkeit ist stärker gefährdet durch:
• Keimung der Körner im Ährchen – ein Problem, das besonders bei Triticale und Roggen sichtbar ist, aber auch bei Weizen auftreten kann. Keimende Körner verlieren ihre technologischen Eigenschaften und eignen sich durch die verringerte Fallzahl nicht mehr für den Verzehr.
• Entwicklung von Pilzkrankheiten – wie Septoriose oder Fusariose, die den biologischen und nutzbaren Wert der Körner mindern. Auch wenn die Symptome nicht mit bloßem Auge sichtbar sind, können die Zersetzungsprozesse bereits im feuchten Material ablaufen.

Wie weiter mit solchem Korn?
Wenn die Körner aus einem umgefallenen Bestand nicht für den Verzehr geeignet sind, können sie dennoch als Futtermittelkomponente verwendet werden. Es ist jedoch zu beachten, dass gekeimte Körner, trotz des höheren Gehalts an bestimmten Nährstoffen, nicht die einzige Zutat im Futter sein sollten. Am besten werden sie als Zusatz verwendet, nach vorherigem Trocknen und Abkühlen.


