Doppler in der Reproduktion von Milchkühen
Seit einiger Zeit werden in der Rinderreproduktion zunehmend Ultraschallgeräte mit Doppler-Funktion eingesetzt. Die Untersuchungstechnik unterscheidet sich nicht von der klassischen rektalen Untersuchung mit Ultraschall – der entscheidende Unterschied ist das Vorhandensein der Doppler-Funktion, die eine Beurteilung des Blutflusses in den Blutgefäßen ermöglicht. Dadurch erhält der Tierarzt ein zusätzliches Instrument zur Unterstützung der Reproduktionsoptimierung in Milchviehherden. Der Einsatz des Dopplers stellt insbesondere in den Händen eines erfahrenen Spezialisten einen wesentlichen Vorteil gegenüber einem Standard-Ultraschallgerät dar – ganz zu schweigen von der traditionellen manuellen Untersuchung. Unter Praxisbedingungen kann diese Technologie erfolgreich im täglichen Einsatz von Tierärzten, die sich mit der Reproduktion von Tieren befassen, genutzt werden.
Luteinzyste am Eierstock, Wandstärke über 3 mm. Vorhandenes Luteingewebe in der Wand mit Doppler-Flüssen.
Der Doppler erleichtert nicht nur die präzisere Trächtigkeitsdiagnose und die Überwachung der fetalen Entwicklung, sondern ermöglicht auch eine genauere Beurteilung des Zustands der Eierstöcke. In der klinischen Praxis erlaubt der Doppler bei entsprechender Erfahrung zudem die Beurteilung des Blutflusses durch die Gebärmutter. Diese Informationen können hilfreich sein, um die Phase des Brunstzyklus zu bestimmen, erfordern jedoch mehr Übung bei der Interpretation. Bei nichtträchtigen Tieren verändert sich der uterine Blutfluss je nach Zyklusphase – er ist eng mit den Östrogen- und Progesteronspiegeln verbunden. Die höchsten Werte werden in den Phasen Proöstrus und Östrus beobachtet, während im Diöstrus ein Abfall erfolgt. Zusätzlich wird ein erhöhter Blutfluss durch die Gebärmutter auch während der ersten 21 Tage der Trächtigkeit festgestellt.
Trächtigkeit, Kotyledonen mit Doppler-Flüssen.
Ein noch wichtigerer Aspekt der Beurteilung mit Doppler ist die follikuläre Perfusion, also der Grad der Durchblutung der Ovarialfollikel. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass ein gut durchbluteter präovulatorischer Follikel mit einer höheren Rate erfolgreicher Besamungen verbunden ist. Ein dominanter oder aktiv wachsender Follikel sollte eine intensive Vaskularisierung aufweisen, was sich auch positiv auf das Hormonprofil auswirkt. Mit Hilfe des Dopplers kann der Tierarzt feststellen, ob ein Follikel nicht einer Atresie unterliegt und ob die Perfusion korrekt ist. Auf dieser Grundlage kann entschieden werden, ob das Tier eine wirtschaftliche und physiologische Chance hat oder ob es besser ist, bis zur nächsten Brunst zu warten.
Corpus luteum mit normalen Doppler-Flüssen.
Einer der am häufigsten genutzten Aspekte der Doppler-Untersuchung in der Rinderreproduktion ist die Beurteilung der Vaskularisierung des Corpus luteum. Die genaueste Methode zur Funktionsbeurteilung des Corpus luteum während der Trächtigkeit ist die Bestimmung des Progesteronspiegels, doch diese Untersuchung ist zeitaufwändig und oft aus wirtschaftlicher Sicht nicht rentabel. In diesem Zusammenhang wird der Doppler zu einem wertvollen Werkzeug, das eine schnelle und effektive Beurteilung der Corpus-luteum-Funktion ermöglicht – sowohl in der Trächtigkeitsdiagnose als auch bei der Synchronisation der Brunst. Die größte Herausforderung bei der Trächtigkeitsdiagnose besteht darin, deren Fehlen zu bestätigen. Die Doppler-Untersuchung ermöglicht eine frühere Erkennung des Besamungsfehlers, was die Reaktionszeit des Landwirts deutlich verkürzt.
Gynäkologische Untersuchung des Eierstocks. Im Bild ist ein deutliches Corpus luteum mit normaler Echogenität und normalen Doppler-Flüssen zu sehen. Neben dem Corpus luteum ist ein kleiner Follikel sichtbar.
Es ist allgemein bekannt, dass der Durchmesser des Corpus luteum positiv mit dem Progesteronspiegel korreliert, jedoch haben Studien gezeigt, dass während der Luteolyse der Progesteronspiegel viel schneller abfällt als das Volumen des CL schrumpft. Dank des Einsatzes des Dopplers wird dieses Problem beseitigt – als stark vaskularisierte Struktur verliert das Corpus luteum die Blutperfusion bereits in einem frühen Stadium der Luteolyse, noch bevor es an Größe verliert. Dies ermöglicht eine frühe Erkennung einer fehlgeschlagenen Besamung – sogar vor dem 28. Tag – was einen Vorteil gegenüber der klassischen Ultraschalluntersuchung darstellt. Somit wird es möglich, den Zyklus bei nichtträchtigen Tieren schneller erneut zu synchronisieren. Mit diesem Werkzeug kann der Tierarzt die Funktion des Corpus luteum bereits etwa am 20. Tag nach der Besamung beurteilen, indem er CLs diagnostiziert, die sich in der Luteolyse befinden.
Gynäkologische Untersuchung des Eierstocks. Im Ultraschallbild sind zwei Corpora lutea mit normalen Doppler-Flüssen sichtbar, beide Corpora lutea haben Höhlen.
Der Doppler findet auch Anwendung bei der Beurteilung von Corpora lutea vor der Aufnahme der Tiere in Hormonprogramme. Die Analyse des Blutflusses ermöglicht die Beurteilung der funktionellen Aktivität des CL und die Vorhersage der Reaktion auf die Hormontherapie. Auf dieser Grundlage ist eine präzise Auswahl der Medikamente möglich, was zu einer besseren Effizienz des Reproduktionsprogramms und realen Einsparungen für den Landwirt führt – schneller ausgewählte Hormone bedeuten eine schnellere und effektivere Einführung der Kuh in einen synchronisierten Zyklus.
Gynäkologische Untersuchung des Eierstocks – sichtbar drei Corpora lutea mit normalen Doppler-Flüssen.
Der Doppler findet auch Anwendung beim Embryotransfer als Selektionsinstrument für Empfängertiere. Studien haben gezeigt, dass die Erfolgsrate der Embryoimplantation bei Kühen mit gut vaskularisiertem CL höher war als bei solchen mit schwächerer Perfusion. Derzeit wird angenommen, dass der Grad der Vaskularisierung des Corpus luteum der verlässlichste prädiktive Indikator für den Erfolg des ET ist – aussagekräftiger als Durchmesser, Oberfläche des CL oder sogar Progesteronspiegel.
Gynäkologische Untersuchung des Eierstocks. Sichtbar zwei Corpora lutea mit Doppler-Flüssen sowie ein kleiner Follikel.
Das Potenzial der Doppler-Technologie findet auch Anwendung bei der sogenannten frühen Synchronisation, die bereits 12–15 Tage nach der Besamung durchgeführt werden kann. Dabei werden verschiedene Hormonprotokolle eingesetzt, die auf Progesteron oder GnRH basieren und deren Hauptziel es ist, den Abstand zwischen den Besamungen zu verkürzen und die Rate erfolgreicher Befruchtungen zu erhöhen. Die frühe Synchronisation kann auch in Embryotransferprogrammen (ET) angewendet werden – selbstverständlich nach entsprechender Anpassung des Protokolls an die Spezifik der Prozedur.
Gynäkologische Untersuchung des Eierstocks – Corpus luteum mit Doppler-Flüssen sowie kleiner Ovarialfollikel.
Der Einsatz der Doppler-Sonographie in der Rinderreproduktion ermöglicht eine frühere Trächtigkeitserkennung sowie eine präzisere Beurteilung der Tiere, die für die Synchronisation des Brunstzyklus in Frage kommen. Dies führt direkt zur Optimierung der Reproduktion – es ermöglicht eine Verkürzung der Intervalle zwischen den Besamungen und eine Verbesserung der wichtigsten Fruchtbarkeitsindikatoren. In den Händen eines erfahrenen Tierarztes, insbesondere bei der Arbeit mit größeren Tierbeständen, wird das Doppler-Ultraschallgerät zu einem Werkzeug, das sowohl die tierärztlichen als auch die landwirtschaftlichen Kosten erheblich senken kann. Es ermöglicht unter anderem eine genauere Auswahl hormoneller Präparate, eine schnellere Eliminierung von Tieren mit geringem Reproduktionspotenzial, eine effektivere Selektion von Kühen für die Besamung (was die mit dem Sperma verbundenen Kosten reduziert) sowie eine frühere Trächtigkeitsdiagnose, die eine schnellere Reaktion des Landwirts ermöglicht. Darüber hinaus erhöht der Doppler die Erfolgsquote bei der Auswahl von Empfängertieren in Embryotransferprogrammen.
Luteinzyste – dicke Wand mit Doppler-Flüssen.
Neben den derzeit bekannten und angewandten Funktionen des Dopplers ist mit fortschreitender Technologie und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen mit einer weiteren Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten dieser Technologie in der Milchviehreproduktion zu rechnen. Der Doppler wird in Zukunft höchstwahrscheinlich zu einem unverzichtbaren Bestandteil der modernen Diagnostik und des Reproduktionsmanagements und Tierärzte sowie Landwirte noch präziser und effizienter bei der Führung der Herde unterstützen.

Tierarzt Michał Barczykowski


