Doppler in der Reproduktion von Milchkühen – lohnt sich das?
Die Doppler-Ultrasonographie ist ein immer häufiger eingesetztes Verfahren in der Feldpraxis von Tierärzten, die sich mit der Rinderreproduktion befassen. Obwohl die Untersuchungstechnik ähnlich aussieht wie die klassische rektale Ultraschalluntersuchung, besteht der entscheidende Unterschied in der Möglichkeit, den Blutfluss in den Blutgefäßen zu beurteilen. Diese eine Funktion eröffnet völlig neue diagnostische Möglichkeiten und erlaubt ein bewussteres Management der Reproduktion in der Herde.
Dank Doppler kann der Tierarzt:
• den Zustand der Eierstöcke und der Gebärmutter genauer beurteilen,
• eine Trächtigkeit (oder deren Fehlen) schneller feststellen,
• die Qualität der Follikel und die Funktion des Corpus luteum besser einschätzen.
Was bringt das in der Praxis?
Weniger „Schüsse ins Blaue“. Man kann beurteilen, ob ein Follikel „aktiv“ ist und eine Ovulation erwarten lässt oder ob er bereits einer Atresie unterliegt. Beim Corpus luteum – das entscheidend für den Erhalt der Trächtigkeit ist – erlaubt Doppler festzustellen, ob es funktional ist, noch bevor sich seine Größe verändert. Besonders nützlich ist dies bei der Beurteilung eines erfolglosen Besamungsversuchs – möglich sogar schon vor dem 28. Tag nach der Belegung!
Auch beim Embryotransfer leistet Doppler wertvolle Dienste – er ermöglicht eine bessere Auswahl der Empfängerinnen, da ein gut durchblutetes Corpus luteum die Chancen auf eine erfolgreiche Aufnahme des Embryos erhöht. Studien zeigen, dass der Grad der Perfusion des CL ein besserer Indikator ist als dessen Größe oder sogar der Progesteronspiegel.
Und nun das Wichtigste: Lohnt sich das?
Ja – und zwar sehr.
Denn bessere Diagnostik bedeutet:
• weniger unnötige Besamungen = Einsparungen beim Sperma,
• frühere Erkennung fehlgeschlagener Trächtigkeiten = schnellere Nachbelegung,
• gezieltere Hormonprotokolle = weniger Medikamente, bessere Ergebnisse,
• Ausschluss schwacher Tiere aus dem Programm = höhere Reproduktionsleistung.
In großen Herden sind jeder verkürzte Tag zwischen Abkalbungen, jede erfolgreichere Besamung oder jede gut ausgewählte Empfängerin bares Geld wert. Die Investition in ein Ultraschallgerät mit Doppler amortisiert sich schnell – nicht nur durch höhere Erfolgsquoten, sondern auch durch bessere Entscheidungen von Tierarzt und Landwirt.
Zusammengefasst:
Doppler ist kein Gimmick – es ist ein Werkzeug der Zukunft (und eigentlich: der Gegenwart) in der Rinderreproduktion. Es liefert mehr Informationen, schneller und präziser, und vor allem hilft es zu sparen und zu verdienen. Und genau darum geht es im modernen Herdenmanagement.
Tierarzt Michał Barczykowski


