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Veterinärmedizin Zucht 2025-01-15

Aus der Sicht des Tierarztes: Färsen

Färsen – heranwachsende Jungtiere über 6 Monate bis 18–24 Monate, also bis zur ersten Kalbung. Wie Kälber sind sie die Zukunft jedes Betriebs, werden jedoch nach dem Absetzen oft „stiefmütterlich“ behandelt, und als Gruppe in der Phase intensiven Wachstums verdienen sie gleiche Aufmerksamkeit. Sind wir uns bewusst, dass Färsen das Entwicklungspotenzial des Betriebs darstellen und damit dessen Wirtschaftlichkeit verbessern? Wissen wir, dass der gesamte Aufwand, der in die Aufzucht eines Kalbes und sein genetisches Potenzial investiert wurde, durch falsche Aufzucht als Färse zunichtegemacht werden kann?

Worauf achte ich als Tierarzt bei einem Audit im Betrieb in Bezug auf die Aufzucht von Färsen?

1) Haltungsbedingungen

Nach dem Absetzen von Kälbern aus der Milchtränke werden sie in der Regel zusammen in Gruppenbuchten untergebracht, und man erinnert sich erst kurz vor der Besamung wieder an sie. Der Anblick von Färsen in engen und stickigen Räumen ohne Möglichkeit, nach draußen zu gehen, ist leider häufig in polnischen Betrieben.

Warum sind solche Bedingungen tatsächlich schlecht?

Färsen sind aufgrund der hohen Besatzdichte ständigem Stress ausgesetzt, was zu einer Abnahme der Immunität, Funktionsstörungen des Körpers und einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit führen kann. Außerdem wirkt sich Lichtmangel sehr negativ auf den Sexualzyklus aus, was dazu führt, dass Tiere, die mit etwa 13 Monaten in die Fortpflanzungsphase eintreten, keine Brunst zeigen. Bei reproduktionsmedizinischen Untersuchungen treffe ich bei solchen Färsen häufig auf sehr lang anhaltende Ovarialfunktionsstörungen.

Wie sollten wir Färsen also halten?

Viele Züchter stellen dieser Produktionsgruppe Ausläufe zur Verfügung, auch im Schlamm. Sie werden je nach Alter oder Trächtigkeitsstadium in Buchten aufgeteilt. Ich treffe auch häufig speziell gebaute Färsenställe, die nur für diese Tiergruppe vorgesehen sind.

2) Ernährung

Das Thema Färsenfütterung, Futtermittelauswahl und Rationsgestaltung überlasse ich guten Ernährungsberatern, die wissen, wie man das macht, damit die Färse nicht in die Breite, sondern in die Höhe wächst. Auch Aspekte wie: eine Ration für alle Färsengruppen, Fütterung von Nachzüglern nach Milchkühen, minderwertige Futtermittel… das alles beeinflusst die Entwicklung und Gesundheit unserer zukünftigen Kühe. Denken wir daran, dass die Euter unserer Färsen sich noch in der Entwicklungsphase befinden!

Für mich als Tierarzt ist es wichtig, darauf zu achten, ob es im Bestand fettleibige Färsen gibt.

Fettleibige Färsen sind nur Probleme, Punkt. Warum?
1. Schwer trächtig zu machen, da überschüssiges Fett Brunststörungen verursachen kann
2. Übermäßige Fettansammlung im Hinterteil führt zu Problemen bei der Geburt
3. Erhöhtes Risiko für postpartale Krankheiten wie Ketose, Gebärmutterverlagerung, Labmagenverschiebung…

3) Prophylaxe

Färsen sind eine besonders risikobehaftete Gruppe. Aufgrund von Stress durch Haltung, häufige Gruppenwechsel, Futterration sowie wegen des gestiegenen Imports von Färsen nach Polen in den letzten Jahren sind sie besonders anfällig und empfindlich gegenüber Infektionen.

Eine Möglichkeit, unsere Färsen zu schützen, ist ein gut abgestimmtes Impfprogramm.

Impfpläne hängen weitgehend vom Status des jeweiligen Bestands und den verwendeten Impfstoffen ab, aber generell impfen wir Färsen gegen Krankheiten wie BVD, IBR und Q-Fieber. Je nach Situation im Betrieb sollten bei Bedarf auch Impfungen gegen Chlamydien sowie Erreger von Durchfall bei Kälbern, Lungenentzündungen oder Anaerobier eingeführt werden.

Es kommt jedoch oft vor, dass Züchter die Impfungen der Färsen vergessen. Warum?

Impfungen, die bei Färsen durchgeführt werden, werden bei Kühen in der Trockenstehzeit durchgeführt, während Färsen – wie bekannt – diese Phase noch nicht haben. Bei der Organisation der Betriebsarbeit und der Planung der Prophylaxe werden daher die Impfungen der Färsen oft schlichtweg vergessen. Wir können dieses Problem vermeiden, wenn wir den Kalbungszeitpunkt unserer Färsen überwachen. Organisieren wir die Aufgaben im Bestand so, dass wir je nach Programm die letzte Impfung z. B. 2 Wochen vor der Kalbung durchführen. Das ist wichtig, da wir in dieser Zeit hochwertiges Kolostrum mit vollständigen Immunglobulinen erhalten.

4) Mastitis bei Färsen?

Euterentzündungen können auch vor der ersten Kalbung auftreten.

Eine Ursache ist das gegenseitige Saugen der Kälber in Gruppenbuchten. Den Saugreflex können wir auf verschiedene Weise befriedigen, z. B. durch Sauger mit langsamerem Durchfluss, Gummischläuche in Buchten (desinfiziert und gereinigt!), Eimer mit Wasser und Sauger usw.

Das Problem des gegenseitigen Saugens der Kälber ist sehr groß. Einerseits wollen wir, dass die Kälber in Gruppen aufwachsen, was ihrem Wohlbefinden dient, andererseits saugt sich ein Teil von ihnen gegenseitig, was zu Entzündungen der noch nicht entwickelten Euter führt und die Färse für die weitere Aufzucht ausschließen kann. Das Ergebnis dieses Saugens kann als Euterentzündung vor der Kalbung oder als Mastitis bei der Erstkalbin kurz nach der Geburt auftreten.

Ein weiterer wichtiger Faktor für Euterentzündungen bei Färsen und Erstkalbinnen ist die Tränkung mit nicht klassifizierter Milch. Dies ist die unwirtschaftlichste Methode, die ich kenne, da wir denken, dass wir Milch sparen, dabei aber dem Tier und damit auch uns selbst schaden. Es wurde nachgewiesen, dass Antibiotikarückstände die Darmflora der Kälber negativ beeinflussen können und dass im Milch vorkommende Pathogene über Lymphorgane z. B. ins Euter gelangen können. Solche Kälber haben später als Kühe neben chronischen Euterentzündungen Antibiotikaresistenzen, wodurch ihre Behandlung entweder unmöglich, sehr zeitaufwendig oder definitiv teuer wird!

5) Fortpflanzung der Färsen

Der für mich einzig richtige Weg ist, die Fortpflanzung der Färsen genauso zu überwachen wie die der Kühe.

In meiner täglichen Arbeit zur Fortpflanzung von Färsen arbeite ich meist mit hormonellen Programmen, die an den jeweiligen Bestand angepasst sind. Nachdem die Färse ein bestimmtes Gewicht und Wachstum erreicht hat, führen wir die erste Ultraschalluntersuchung durch und integrieren das Tier in das Programm. Bei der künstlichen Besamung gibt es viele Möglichkeiten für eine erfolgreiche Deckung. Häufig stützen wir uns auf die Beobachtung der Brunst, doch über die Wirksamkeit dieser Methode entscheidet der Mensch, und dieser versagt leider oft.

Nach der Besamung führen wir die erste Trächtigkeitsuntersuchung am 26.–30. Tag der Trächtigkeit durch und bestätigen diese dann erneut im 3. Monat.

In manchen Betrieben werden Färsen natürlich gedeckt, aber auch hier lässt sich das gut organisieren. Ein Bulle, der zwischen den Färsen läuft, muss für 26 Tage von der jeweiligen Gruppe getrennt werden. Dann untersuchen wir die Färsen dieser Gruppe auf Trächtigkeit und die trächtigen Tiere werden in eine separate Gruppe gebracht. Nicht trächtige Tiere behandeln wir hormonell und führen sie erneut zum Bullen.

Vernachlässigen wir nicht die Fortpflanzung der Färsen, da sie der Schlüssel zur Wiederaufzucht des Bestands ist, insbesondere wenn wir hauptsächlich Sexed-Samen verwenden.

Sexed-Samen ist außerdem eine recht effektive Methode, um Freemartinismus unter unseren Färsen zu verhindern. Freemartinismus bedeutet Unfruchtbarkeit eines weiblichen Kalbes aus einer gemischten Zwillingsschwangerschaft. Ein Freemartin zeichnet sich durch unterentwickelte oder überhaupt nicht ausgebildete Fortpflanzungsorgane aus, während der männliche Zwilling in der Regel fruchtbar bleibt. Es gibt Fälle, in denen ein einzelnes weibliches Kalb als Freemartin geboren wird, dessen Zwillingsbruder im Fötalleben gestorben ist. Unabhängig von der Herkunft verlieren wir natürlich die Färse, die nicht reproduktionsfähig ist. In meiner Praxis treffe ich regelmäßig auf dieses Phänomen und halte es für ein züchterisches Problem, das besonders in kleineren, familiären Betrieben auftritt.

Zusammenfassend bin ich als Tierarzt der Ansicht, dass wir Färsen nicht vernachlässigen dürfen. Sowohl in Bezug auf Haltungsbedingungen, Ernährung, Prophylaxe als auch Fortpflanzung. Färsen sollten genauso verwöhnt werden wie Kälber und Kühe, was in der Praxis viel einfacher und vor allem kostengünstiger ist.

 

 

Tierarzt Michał Barczykowski

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