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Veterinärmedizin 2024-05-27

Fehlfunktion der Eierstöcke

Afunktion der Eierstöcke ist neben Ovarialzysten, persistierendem Gelbkörper oder persistierenden Follikeln eine der Azyklien, also die Funktionslosigkeit der Eierstöcke.

Die neue Klassifikation der Azyklien und Eierstockfunktionslosigkeit stellt sich wie folgt dar:

– Azyklie Typ I (Afunktion der Eierstöcke)

– Azyklie Typ II (persistierende Ovarialfollikel)

-Azyklie Typ III (Follikelzysten)

– Azyklie Typ IV (pseudo-gravidischer Gelbkörper)

Afunktion ist ein Zustand, bei dem die Eierstöcke klein, schlaff und glatt sind. Das wichtigste Merkmal ist jedoch, dass sie keine ausgeprägten funktionellen Strukturen wie Follikel oder Gelbkörper aufweisen, wobei das Fehlen letzterer für ihre Klassifizierung entscheidend ist. Ein Symptom der Afunktion ist das Fehlen des Sexualzyklus (kein Brunstverhalten über 60 Tage nach der Geburt).

Afunktion ist eine Fortpflanzungspathologie, die den Zeitpunkt der Besamung verzögert und damit den mittleren Laktationstag verlängert, was wirtschaftliche Verluste im Betrieb verursacht. Dies lässt sich im Ergebnisbericht RW-1 der Föderation überprüfen. Die mittlere Anzahl der Laktationstage (als dl bezeichnet) bestimmt die durchschnittliche tägliche Milchleistung im Bestand und die Rentabilität der Produktion. Je kürzer der mittlere Laktationstag, desto höher die Leistung und Rentabilität; optimal sollte er 160–180 Tage betragen. Werte über 200 Tage können unter anderem auf Fortpflanzungsprobleme hinweisen.

Betrachten wir nun die Ursachen, die zur Afunktion der Eierstöcke führen.

  1. Ernährungsbedingte Ursachen, unter anderem:

– Energiemangel

– Vitaminmangel (Vit. A, D3, B)

– Mangel an Mikro- und Makroelementen (Natrium, Calcium, Phosphor, Selen, Jod, Eisen, Kupfer)

– Absorptionsstörungen

  1. Metabolische Störungen, stark verbunden mit Ernährungsstörungen

Ein negativer Energiehaushalt verursacht das Auftreten von metabolischen Störungen, hauptsächlich subklinischer Art, wie subklinische Ketose oder Azidose. Diese Krankheiten führen zu Funktionsstörungen vieler Organe, einschließlich des endokrinen Systems.

  1. Störungen im Zusammenhang mit postpartalen Erkrankungen wie:

Plazentarretention, Gebärmutterentzündung, Labmagenverlagerungen oder klinische Ketose.

  1. Haltungsbedingungen

Anbindehaltung, Bewegungsmangel, Lichtmangel oder Stress können ebenfalls die Funktion der Eierstöcke negativ beeinflussen.

All diese Ursachen können stark miteinander verbunden sein, daher sollte neben der symptomatischen Behandlung immer die Ursache gefunden und beseitigt werden, nicht nur beim einzelnen Tier, sondern vor allem auf Bestandsniveau.

Diagnostik der Afunktion der Eierstöcke

Die Afunktion der Eierstöcke kann mittels Ultraschall diagnostiziert werden. Im USG-Bild sehen wir kleine Strukturen ohne Gelbkörper, mit Follikeln von einigen Millimetern bis zu 9 mm oder deren vollständigem Fehlen.

Zum Vergleich das Bild funktioneller Eierstöcke.

Charakteristisch für Afunktion ist, dass sich die Größe der Follikel bei aufeinanderfolgenden Ultraschalluntersuchungen nicht verändert. Die Follikel sind gehemmt und wachsen nicht wellenförmig.

Auch das Fehlen des Gelbkörpers ist bedeutsam, da man dann vermuten kann, dass kein Brunstzyklus stattgefunden hat.

Im normalen USG-Bild sind Eierstöcke ohne Gelbkörper und mit kleinen oder nicht vorhandenen Follikeln etwa so groß wie eine Pflaume.

Durch die alleinige rektale Untersuchung lässt sich feststellen, dass die Eierstöcke klein sind, jedoch nicht, ob Strukturen wie Follikel oder Gelbkörper vorhanden sind.

Die Bestätigung der Afunktion erfolgt durch die Progesteronmessung, die im Falle der Afunktion niedrig ist und überhaupt nicht ansteigt.

Behandlung der Afunktion der Eierstöcke

Die therapeutischen Möglichkeiten bei Afunktion der Eierstöcke sind leider begrenzt, und die symptomatische Behandlung ist oft wenig wirksam. Eine Methode besteht in der Anwendung von Präparaten, die Hormone enthalten, die auf die Hypophyse wirken, die unter ihrem Einfluss FSH und LH freisetzt, die für das Auftreten der Brunst notwendig sind. Es gibt auch hormonelle Medikamente, die direkt auf den Eierstock wirken, jedoch geringere Effekte bei dieser Erkrankung erzielen. In meiner Praxis verwende ich am häufigsten die Methode mit Gestagenen kombiniert mit GnRH. Zur unterstützenden Therapie verwende ich Vitamin-Bolus-Präparate oder injizierbare Vitamine.

Man darf jedoch nicht vergessen, dass keine symptomatische Methode ohne Beseitigung der Ursache sehr wirksam sein kann.

Ich stelle die Ergebnisse meiner Zusammenarbeit mit der UWM Olsztyn vor bezüglich:

Einsatz von USG-Geräten zur Untersuchung der Afunktion der Eierstöcke, insbesondere zur genauen Bestimmung der Follikelgröße und Anpassung der Behandlung.

Zur Bewertung der Follikel verwendete ich das Gerät 4Vet slim, iScan und iScan 2 von Dramiński.

Die Untersuchung war recht schwierig, da der Follikel auf dem afunktionalen Eierstock genau vermessen werden musste.

Ich untersuchte zwei Tiergruppen:

  • jene, die Follikel bis 9 mm hatten (meist 3–6 mm)
  • jene, die Follikel von 9–12 mm hatten

Für die angemessene Ultraschallbewertung der Follikel verwendete ich 9 MHz.

Bedingung für die Klassifizierung eines Tieres war immer das Vorhandensein kleiner, nicht funktionaler Eierstöcke und das absolute Fehlen eines Gelbkörpers (auch eines kleinen).

Je nach Follikelgröße wandte ich unterschiedliche Behandlungen an:

  • die erste Gruppe erhielt Progesteron-Implantate für 7 Tage, und bei fehlender Reaktion wiederholten wir den Prozess.
  • bei Follikeln über 9 mm verwendete ich GNRH in Standarddosis. Auch hier wurde bei fehlender Reaktion die Behandlung wiederholt.

Fazit

Etwa 10 % der Tiere reagierten besser auf die Implantate, aber meiner Meinung nach spielte in beiden Fällen die Zeit die größte Rolle.

Ziel der Untersuchung war es, Kühe zu retten, die länger nach der Geburt waren und pharmakologisch behandelt werden mussten, da sie sonst aus der Herde entfernt würden!

Das Problem der Afunktion der Eierstöcke kann nicht nur pharmakologisch gelöst werden. Die Behandlung einzelner klinischer Fälle reicht nicht aus. Der gesamte Bestand muss ganzheitlich betrachtet werden – durch Ernährung, vergangene Krankheiten und Haltungsbedingungen sowie regelmäßige Bestandsbesuche und sorgfältige tierärztliche Dokumentation. Ebenso wichtig ist die gute Zusammenarbeit des Züchters mit dem Tierarzt und, falls erforderlich, mit einem Ernährungsberater.


Lek. vet. Michał Barczykowski

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