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Veterinärmedizin Zucht 2025-02-18

Ovarialanzyklie, Ovarialdysfunktion

Ovarialanzyklie ist eine der häufigsten Fortpflanzungsstörungen bei Milchkühen und besteht in einer vollständigen oder teilweisen Hemmung der Ovarfunktion, einschließlich der Prozesse der Bildung und des Wachstums des Ovulationsfollikels, der für eine erfolgreiche Insemination notwendig ist. In leistungsstarken Herden sollte Anzyklie nur sporadisch auftreten, doch wenn sie bei einer größeren Anzahl von Kühen vorkommt, sind meist Fehler in der Fütterung die Ursache, insbesondere Energie-, Vitamin- sowie Mikro- und Makroelementmängel. Weitere ätiologische Faktoren sind systemische Erkrankungen wie Infektionen und Entzündungen sowie Stress durch intensive Produktionssysteme. Physiologisch sollten die Eierstöcke etwa 30 Tage nach der Kalbung ihre volle Funktionalität wiedererlangen, bei Tieren mit Stoffwechselstörungen kann dieser Prozess jedoch verzögert sein.

Das erste und am häufigsten auftretende Symptom der Ovarialanzyklie ist fehlende Brunst. Bei der Palpation und Ultraschalluntersuchung zeigen die Eierstöcke ein vermindertes Volumen, sind weich, glatt und frei von funktionellen Strukturen wie dem Gelbkörper (CL) oder Follikeln (F). Das Fehlen der Ovaraktivität bedeutet auch die Unfähigkeit, ausreichende Mengen an Hormonen wie Östrogen und Progesteron zu produzieren, die für den Zyklusverlauf und eine erfolgreiche Insemination entscheidend sind.

Abbildung 1 Ovarialfunktion fehlt – keine Strukturen (diagnostisches Bild erstellt mit iScan 3)

Einfluss von Energie- und Vitaminmangel auf die Ovarfunktion

Energie-Mangel in der Ernährung wirkt sich direkt auf den Stoffwechsel der Kühe aus, insbesondere in der Laktationsperiode. Hohe Milchleistung erhöht den Energiebedarf, und ein Mangel führt zu katabolen Zuständen, in denen der Körper die volle Funktion der Eierstöcke nicht aufrechterhalten kann. Unzureichende Energiezufuhr kann zu verzögerter oder fehlender Brunst führen, da Fettreserven für den Stoffwechsel verwendet werden, anstatt die Funktion des Fortpflanzungssystems zu unterstützen. Zudem kann ein niedriger Blutzuckerspiegel die Hormonproduktion für die Follikelentwicklung, wie Gonadotropine, hemmen.

Vitamin A und B-Vitamine sowie Spurenelemente wie Kupfer, Zink und Selen spielen eine Schlüsselrolle für die ordnungsgemäße Funktion der Eierstöcke. Vitamin A ist an der Proliferation der Ovarzellen beteiligt; ein Mangel kann Gewebeschäden und hormonelle Störungen verursachen. B6, B12 und Folsäure sind für die DNA-Synthese und die Produktion roter Blutkörperchen notwendig, was das hormonelle Gleichgewicht unterstützt. Mängel können den Zyklus stören und die Ovulation verhindern.

Rolle von GnRH und PGF2α in der Behandlung der Anzyklie

GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) und PGF2α (Prostaglandin F2α) sind entscheidend für die Regulation des Fortpflanzungszyklus bei Kühen. GnRH stimuliert die Hypophysenvorderlappen zur Ausschüttung der Gonadotropine LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikelstimulierendes Hormon). LH ist notwendig für die Ovulation, während FSH die Follikelentwicklung fördert. Eine gezielte Gabe von GnRH kann die Ovulation anregen, insbesondere wenn Follikel mindestens 10 mm groß sind, um einen endogenen LH-Schub auszulösen.

PGF2α wird aufgrund seiner luteolytischen Wirkung eingesetzt – es induziert die Regression des Gelbkörpers (CL), senkt den Progesteronspiegel und ermöglicht die Wiederaufnahme des Ovarzyklus. Die Kombination von GnRH und PGF2α kann den normalen Zyklus bei Kühen wiederherstellen, die auf Standardtherapien nicht reagiert haben.

Eine wirksame Methode ist die Anwendung vaginaler Progesteron-Inserts. Die Therapie induziert einen Abfall des Progesteronspiegels, gefolgt von der Gabe von PGF2α– und GnRH-Analoga, um den Zyklus wieder zu starten. Unterstützend können mineralisch-vitaminhaltige Bolusse und Beta-Carotin-Präparate verabreicht werden. Ein endogener LH-Schub kann auch durch gezielte GnRH-Gabe bei Follikeln ≥10 mm ausgelöst werden. Bei therapieresistenten Fällen werden fortgeschrittene Methoden eingesetzt, wie epidurale GnRH-Verabreichung oder intravenöse Injektion von hCG (humanes Choriongonadotropin).

Bedeutung von Prävention und Diagnostik

Bei häufiger Anzyklie im Bestand ist es entscheidend, die Ursachen zu identifizieren und zu eliminieren. In solchen Fällen kann die hormonelle oder pharmakologische Behandlung vieler Tiere wirtschaftlich unpraktisch sein; häufig kann eine angemessene Prävention das Eingreifen überflüssig machen. Regelmäßige Diagnostik, einschließlich Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke, Monitoring des Ernährungszustandes und Stresskontrolle, ist unerlässlich, um Anzyklie vorzubeugen. Eine bedarfsgerechte Fütterung entsprechend der Energieanforderungen in verschiedenen Laktationsphasen ist grundlegend für eine optimale Fortpflanzungsfunktion.

 

Tierarzt Michał Barczykowski

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