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Veterinärmedizin Zucht 2025-03-14

Ovarialzysten, Follikelzysten, Luteinzysten

Ovarialzysten sind pathologische Follikel im Eierstock, die den Ovulationsprozess nicht durchlaufen haben und deren Durchmesser normalerweise zwischen 25 mm und 50–60 mm liegt. Es ist wichtig zu beachten, dass sogenannte „postpartale Zysten“ bis zum 40. Tag nach der Kalbung als physiologisch gelten und keine Pathologie darstellen. Erst nach Ablauf dieses Zeitraums, wenn die Zysten bestehen bleiben, kann man sie als Problem erkennen, das eine Intervention erfordert. Die Ursachen für die Entstehung von Ovarialzysten sind noch nicht vollständig geklärt. Am wahrscheinlichsten entstehen sie durch das Zusammenwirken von Umweltfaktoren, genetischen Einflüssen sowie Fehlern in der Ernährung (einschließlich Energie-, Vitamin- und Mikro- und Makroelementmängeln) sowie durch vorherige Entzündungen der Gebärmutter und andere Erkrankungen des Fortpflanzungssystems. Infolge dieser Faktoren kommt es zu Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse, was zu einer gestörten Freisetzung des luteinisierenden Hormons (LH) führt, das für die Einleitung der Ovulation notwendig ist. Eine unzureichende LH-Freisetzung verhindert das Platzen des Follikels und führt folglich zum Ausbleiben des Eisprungs. In der Folge können Kühe unregelmäßige Brunstzyklen, Ausbleiben der Brunst oder Nymphomanie-ähnliche Symptome zeigen, die einer frühen Brunstphase ähneln.

Zur Behandlung von Ovarialzysten werden am häufigsten pharmakologische Mittel eingesetzt, die darauf abzielen, den Follikel zum Platzen zu stimulieren. Am häufigsten werden GnRH-Analoga (Gonadoliberin) verwendet, die die Freisetzung von LH und FSH (follikelstimulierendes Hormon), humane Choriongonadotropine (hCG) oder Gestagene stimulieren. Die Wirkung dieser Präparate zielt darauf ab, die Ovulation in den deaktivierten Follikeln auszulösen. Wenn die Reaktion auf die pharmakologische Behandlung unzureichend ist, können invasivere Methoden wie die Aspiration der Flüssigkeit aus der Zyste unter Ultraschallkontrolle in Betracht gezogen werden. Diese Technik ermöglicht die sichere Entfernung der Flüssigkeit aus der Zyste, was den normalen Ovarzyklus wiederherstellen kann. Diese Methode wird jedoch nicht routinemäßig angewendet, und ihre Durchführung erfordert sorgfältige Überwachung und geeignete technische Bedingungen.

Eine andere, weniger häufige Art von Ovarialzysten sind Lutealzysten, die eine Variante der Follikelzysten darstellen, die eine Luteinisierung durchlaufen haben. Dies bedeutet, dass sich der Follikel trotz ausbleibender Ovulation in eine dem Gelbkörper ähnliche Struktur umwandelt. Lutealzysten können Progesteron produzieren, was zu unregelmäßigen Brunstzyklen oder deren vollständigem Ausbleiben führt. Bei Lutealzysten ist die wirksamste Behandlung die Anwendung von PGF2α-Analoga, wie Cloprostenol, die luteolytisch wirken, d. h. die Regression des Gelbkörpers induzieren. Es ist wichtig zu beachten, dass die Wand der Lutealzyste ausreichend dick sein muss, um auf die Prostaglandinwirkung zu reagieren. Es wird angenommen, dass eine Wanddicke von mehr als 3 mm als Kriterium für die Einstufung der Zyste als luteal gilt. Wenn keine ausreichende Reaktion auf PGF2α erfolgt, muss möglicherweise eine Behandlung gemäß der Therapie von Follikelzysten in Betracht gezogen werden, also die Anwendung von GnRH-Analoga. Bei Lutealzysten wird die Aspiration der Zyste nicht empfohlen, da diese Methode ineffektiv sein und den weiteren Behandlungsverlauf negativ beeinflussen könnte.

Abbildung 1 Lutealzyste (diagnostisches Bild mit iScan 3 erstellt)

Diagnostik und Klassifikation von Ovarialzysten

Eine der größten Herausforderungen bei der Behandlung von Ovarialzysten ist die korrekte Diagnose und Klassifikation des Zystentyps. Eine richtige Diagnose ermöglicht die Auswahl der geeigneten Behandlung und erhöht deren Wirksamkeit. Eine fehlerhafte Klassifikation der Zysten kann zu einer falschen Therapie und ineffektiven Behandlung führen. Das diagnostische Werkzeug, das die größte Präzision bei der Erkennung von Ovarialzysten bietet, ist die Ultraschalluntersuchung (USG). Mithilfe von USG können Größe, Struktur und Flüssigkeitsgehalt der Zyste genau bestimmt werden. Darüber hinaus ermöglicht USG bei Lutealzysten die Beurteilung der Wanddicke der Zyste, was bei der Planung der weiteren Behandlung von Bedeutung ist. Die beste Untersuchungstechnik ist auch USG mit Doppler-Funktion, bei der die Durchblutung der Zystenwand beobachtet wird, um mit hoher Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, ob die Zyste auf die Prostaglandinbehandlung anspricht.

Mykotoxine als Risikofaktor für Ovarialzysten

Mykotoxine, also von bestimmten Schimmelpilzen produzierte Toxine, können die Fortpflanzungsgesundheit von Kühen erheblich beeinträchtigen und sind ein Risikofaktor für die Entstehung von Ovarialzysten. Mykotoxine können die Hormonfunktion stören, einschließlich der Freisetzung von Gonadotropinen, was zu Ovulationsstörungen und Zyklusanomalien führt. Der Verzehr von mit Mykotoxinen kontaminiertem Futter, insbesondere Aflatoxinen, Zearalenon oder Ochratoxinen, stört die Produktion von Östrogenen und Progesteron, beeinträchtigt die normale Entwicklung der Follikel und begünstigt die Zystenbildung.

Um das Risiko durch Mykotoxine zu minimieren, können verschiedene Mittel eingesetzt werden, wie z. B. Mykotoxinadsorbentien (z. B. Bentonit oder Zeolithe), die Toxine im Verdauungstrakt binden und deren Aufnahme verhindern. Es empfiehlt sich außerdem, Futtermittel mit zusätzlichen Stoffen anzureichern, die gegen Toxine wirken, wie z. B. Vitamine (z. B. Vitamin E und C), die das Immunsystem der Tiere stärken, sowie Präparate mit Hefen, die die Darmflora verbessern und die Entgiftung des Organismus unterstützen. Zudem sollten regelmäßige Futteruntersuchungen auf Mykotoxine durchgeführt werden, um die Aufnahme durch die Tiere zu minimieren und Problemen vorzubeugen.

 

Tierarzt Michał Barczykowski

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