Untersuchung der Lungen bei Kälbern mittels Ultraschall
Die Ultraschalluntersuchung von Nutztieren wird oft hauptsächlich mit der rektalen Untersuchung in Verbindung gebracht. Diese Perspektive deckt jedoch nicht das gesamte Anwendungsspektrum ab. Ultraschall wird zur Diagnose von Tumoren, Abszessen, Hämatomen, zur Untersuchung von Leber, Eutern, Nabel und Lungen bei Kälbern eingesetzt. Die Ultraschalluntersuchung der Lungen bei Kälbern ist eine nicht-invasive, schnelle und objektive Technik zur Beurteilung des Atmungszustands des Kalbes. Ihr Hauptvorteil ist die deutlich höhere Sensitivität im Vergleich zum traditionellen Stethoskop. Darüber hinaus ermöglicht sie die Bestimmung des Ausmaßes einer möglichen Lungenbeteiligung durch Pathologien. Durch die Lungensonographie kann eine klinische Lungenentzündung bestätigt und eine subklinische Pneumonie erkannt werden. Ein Tierarzt, der auf die Behandlung von Nutztieren spezialisiert ist, kann diese wertvollen Informationen nutzen, um Züchter bei fundierteren Entscheidungen für den Betrieb zu unterstützen.
Zu den Vorteilen dieser diagnostischen Methode zählen sicherlich ihre Einfachheit und die schnelle Durchführung, die unter geeigneten Bedingungen nur etwa 60 Sekunden dauert. Für die Untersuchung der Lungen bei Kälbern wird eine lineare Sonde verwendet, die auch bei rektalen Untersuchungen eingesetzt wird.
Die Technik der Untersuchung selbst ist sehr einfach. Je nach zu bildendem Bereich kann die Sonde vertikal oder horizontal angelegt werden, je nach Vorliebe. Aus praktischer Erfahrung wird jedoch empfohlen, sich auf die vertikale Halteposition der Sonde zu konzentrieren. Nur so lassen sich die Spitzenbereiche der Lungen genau abbilden, die häufig die Orte sind, an denen Pathologien auftreten. Die größte Herausforderung dieser Methode ist die Identifikation der Bilder.
Ein normales Lungenbild zeichnet sich durch das Fehlen sichtbarer innerer Organe aus, da sich Luft angesammelt hat (Luft verhindert die Übertragung von Ultraschallwellen). Je weiter fortgeschritten die Pathologie, desto mehr ist sichtbar, insbesondere bei Eiter, Flüssigkeit oder Fibrosen nach überstandenen Krankheiten. Anatomisch gesehen stellen Rinderlungen eine Ausnahme dar, da ihre Lungen trotz der großen Körpergröße der Tiere relativ klein sind. Deshalb stellen die Lungen besonders bei Kälbern die größte Herausforderung für Tierärzte dar, da sie praktisch keine Selbstheilungskapazität besitzen. Autoren, die sich auf Rinderultraschall spezialisiert haben, empfehlen, Referenzpunkte bei der Lungensonographie festzulegen. Solche Punkte sind u. a. das Zwerchfell, das Herz, die Lungengefäße, abhängig von linker oder rechter Lunge, sowie der zu untersuchende Lappen. Pathologien, die beginnen, sind besonders entscheidend.
Darüber hinaus ist das Auftreten bestimmter Artefakte während der Untersuchung interessant. In der Ultraschalldiagnostik bezeichnet der Begriff „Artefakte“ falsche Echos, die vorhandene anatomische Strukturen nicht korrekt darstellen oder diese an einer falschen Position abbilden. Artefakte können für diagnostische Zwecke nützlich sein, insbesondere im Zusammenhang mit der Atemwegsdiagnostik. Artefakte in der Bildgebung von Lungenerkrankungen erscheinen typischerweise als hyperechogene Linien. Wir unterscheiden:
A-Linien-Artefakte – horizontale Linien, die entlang der Pleuralinie verlaufen. Der Abstand zwischen ihnen entspricht dem Abstand zwischen Pleuralinie und Sonde.
B-Linien-Artefakte – vertikale Linien, die an der Pleuralinie beginnen. Sie sind über die gesamte Bildschirmhöhe sichtbar und bewegen sich mit den Bewegungen der Lungenpleura. Sie entstehen durch eine geringe Menge Flüssigkeit unter der Pleura, meist in den interalveolären Septen, und treten normalerweise nicht zusammen mit A-Linien-Artefakten auf. In einer Ultraschalluntersuchung an einer beliebigen Stelle des Brustkorbs kann man ein bis zwei B-Linien-Artefakte erwarten, was als normal gilt.
C-Linien-Artefakte – vertikale hyperechogene Linien, ähnlich den B-Linien-Artefakten, beginnen jedoch an einer anderen Stelle. Ihr Beginn liegt typischerweise an einer pathologischen Stelle, die von Interesse ist. Diese Bereiche zeichnen sich durch eine höhere Gewebedichte im Vergleich zum normalen Lungengewebe aus.

Es gibt viele weitere Artefakte, aber die oben genannten drei sind aus diagnostischer Sicht am wichtigsten. Hinsichtlich der Einschränkungen dieser diagnostischen Methode ist besonders hervorzuheben, dass sie keine tiefer liegenden Strukturen abbilden kann. Dies betrifft hauptsächlich Pathologien in tieferen Lungenbereichen, die von Luft umgeben sind, wodurch die Ultraschallstrahlen nicht eindringen können. Am besten kombiniert man diagnostische Methoden, z. B. USG-Untersuchung mit der klassischen Auskultation mittels Stethoskop. Es gibt auch fortgeschrittenere Verfahren wie die Lungenbiopsie, die aus praktischer Sicht aufgrund ihrer Invasivität, der möglichen Komplikationen und der komplexen Technik jedoch nicht empfohlen wird.
In der veterinärmedizinischen Praxis bei Rindern werden meist nicht-invasive Methoden eingesetzt, die schnell und kosteneffizient sind. Neben traditionellen Techniken wie Abhören und Abklopfen der Tiere sowie Durchführung von bronchoalveolären Lavagen fügen sich die Ultraschalluntersuchungen der Lungen ideal in diese Merkmale ein.

Tierarzt Michał Barczykowski


