Hormonelle Steuerung der Fortpflanzung bei Kühen
Heutzutage können wir uns die Fortpflanzung und Haltung von Milchkühen ohne den Einsatz hormoneller Programme nicht mehr vorstellen. Die hormonelle Steuerung der Fortpflanzung bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich, von denen die wichtigsten sind:
1. Erleichterung der Arbeitsorganisation im Betrieb – der Landwirt weiß, wann Besamungen oder vorbeugende Maßnahmen, z. B. Impfungen, stattfinden.
2. Sie reduzieren weitgehend menschliche Fehler, wie z. B. das Übersehen der Brunst, insbesondere nachts.
3. Sie ermöglichen die Kontrolle der Situation im Betrieb – bedenken wir, dass eine regelmäßige Fortpflanzung mindestens alle zwei Wochen Besuche erfordert, wodurch es leichter wird, z. B.:
a. Ernährung – Fehler in der Fütterung zeigen sich sehr schnell in der Fortpflanzung
b. Gesundheit – bei regelmäßigen Besuchen erkennt man den Zustand von Kälbern, Färsen und Kühen und entdeckt oft Probleme, die vom Personal übersehen werden
c. Prävention und Hygiene, z. B. Kontrolle der Sauberkeit von Eimern, Kälberhütten oder der angewendeten Desinfektion
4. Sie ermöglichen die Verbesserung der Fruchtbarkeit des Bestandes und erhöhen die Besamungserfolge – durch regelmäßige Kontrolle des Bestandes kennt man ihn und weiß, wann nach einem bestimmten Programm besamt werden sollte, d. h., man bestimmt den optimalen Besamungszeitpunkt.

An diesem Punkt muss hervorgehoben werden, dass, obwohl ein Programm einen bestimmten Besamungszeitpunkt vorgibt, wir feststellen können, dass die meisten Kühe in diesem Bestand zu anderen Zeiten besamt werden sollten – wir passen diese Zeiten an den Bestand an. Oft hat sich gezeigt, dass die Verlegung der Besamungszeit z. B. von morgens auf abends die Trächtigkeitsrate und die PR im Bestand verbessert hat!
5. Vereinheitlichung des Fortpflanzungszyklus der Kühe im Bestand, was letztlich zur Synchronisation der Brunst führt.
Es gibt viele hormonelle Programme, und diejenigen, die häufig in der Praxis verwendet werden, sind:
* Presynch

* Double Ovsynch

* G7G

* G6G

* G5G

Eine der Herausforderungen für Tierärzte, die die Fortpflanzung in Milchviehbeständen betreuen, besteht darin, das geeignete hormonelle Programm aus den zahlreichen bekannten Varianten und Modifikationen des OVSYNCH-Programms auszuwählen. Immer wenn wir mit einem Betrieb beginnen, passen wir das Programm an den Bestand an. Manchmal funktioniert das zunächst angewandte Programm sehr gut, manchmal müssen wir suchen, ändern und anpassen. Tiere sind lebende Organismen, und niemand kann behaupten, dass das, was bei einem funktioniert, immer auch woanders funktioniert.
Das Hauptkriterium für die Wahl des Programms ist für mich die Häufigkeit der Untersuchungen im Bestand.
Regelmäßige Untersuchungen sind ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der Fortpflanzungssteuerung im Bestand. Meiner Meinung nach sollten Besuche einmal pro Woche oder alle zwei Wochen stattfinden, um die Fortpflanzung im Milchviehbestand erfolgreich zu kontrollieren und zu steuern. Dies ermöglicht die vollständige Kontrolle über den Zustand der Fortpflanzungsorgane, sowohl kurz nach der Kalbung als auch in späteren Laktationsphasen. Regelmäßige Besuche ermöglichen es, die Behandlung problematischer Tiere, bei denen z. B. Zysten oder Azyklie auftreten können, zu überwachen und gegebenenfalls anzupassen. Bei selteneren Kontrollen werden solche Kühe oft vernachlässigt.
Wir dürfen auch nicht vergessen, dass neben der regelmäßigen Kontrolle eine gute Zusammenarbeit zwischen Tierarzt, Landwirt und Tierpfleger sowie die systematische Verabreichung hormoneller Präparate entscheidend ist.
Eine häufig angewandte Praxis ist auch die Änderung des Programms nach einer erfolglosen Besamung. Z. B. wenn Double Ovsynch als Hauptprogramm gestartet wird, wende ich bei Kühen, die nach der ersten Besamung nicht trächtig sind, nicht dasselbe Programm erneut an, sondern setze z. B. Intrauterin-Pessare ein oder wechsle diese Kühe auf ein G7G-Programm. Dabei muss jedoch auf die Zeit geachtet werden, um die Laktationsdauer nicht zu verlängern.
Es ist auch sehr wichtig, die Kühe auf die Einführung in die Fortpflanzung vorzubereiten. Vor der Durchführung eines hormonellen Programms wird jedes Tier obligatorisch klinisch untersucht. Hier spielt das Ultraschallgerät eine unschätzbare Rolle.
Warum?
1. Die erste Untersuchung erfolgt etwa 14 Tage nach der Kalbung – in diesem Fall kann mittels USG der Inhalt der Gebärmutter und der Prozess ihrer Involution effektiv beurteilt werden.
2. Am 21.–30. Tag (abhängig von der Zyklizität der Besuche, manchmal 30–40. Tag) nach der Kalbung mittels USG:
* beurteilen wir die auf den Ovarien vorhandenen Strukturen, was uns erlaubt, Entscheidungen über den Beginn des Programms oder eine intensive Behandlung, z. B. bei Ovarialdysfunktion, zu treffen.
* beurteilen wir das Bild der sich abschließenden Involution der Gebärmutter. Häufige Fälle sind Gebärmutterentzündungen oder verschiedene pathologische Strukturen, die nach schwierigen Geburten entstanden sind, wie Abszesse oder Narben. Die Diagnose ermöglicht die Einleitung einer Behandlung und eine bessere Vorbereitung der Gebärmutter auf die Besamung.

Abbildung 1 Entzündung der Gebärmutter
3. In unserer Klinik nutzen wir USG zur Überwachung des Verlaufs des hormonellen Programms.

Abbildung 2 Gelbkörper mit Höhle und kleinem Follikel
4. Unabhängig von der Herdengröße wird jedes Tier vor der Besamung immer unter Ultraschallkontrolle untersucht. Wir achten auf die Größe des Follikels, seine Struktur und die Klarheit des Schleims, sofern sichtbar. Besonders nutzen wir die vorhandene „FOLLIKEL“-Funktion, um den optimalen Besamungszeitpunkt zu bestimmen.

Abbildung 3 Ovulationsfollikel
Zusammenfassung
Hormonelle Programme in der Kuhhaltung helfen, den Fortpflanzungszyklus zu steuern, verbessern die Fortpflanzungsergebnisse und optimieren die Arbeit im gesamten Betrieb. Ein richtig ausgewähltes Programm zusammen mit der Beseitigung von Krankheiten, die den Gesundheitsstatus des Bestandes beeinflussen, ist der Schlüssel zu einer deutlichen Verbesserung der Fortpflanzungsparameter und damit zur Steigerung der Milchproduktion.

Tierarzt Michał Barczykowski


